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18.12.2014 12:40

Mechthild Wolff übernimmt die unabhängige Leitung der Aufarbeitung Heimerziehung

Die Professorin ist anerkannte Expertin auf den Gebieten „Beteiligung in der Heimerziehung“ sowie „Implementierung von Schutzkonzepten in Institutionen“ – Ehemalige Heimkinder sollen konsequent beteiligt werden


Prof. Dr. Mechthild Wolff, Foto: Uni Landshut

K o r n t a l / 18. Dezember 2014 – Professor Dr. Mechthild Wolff wird ab Januar 2015 als unabhängige Person die Leitung des Projekts „Aufarbeitung und Prävention im Brüdergemeindewerk“ übernehmen. Die 52-jährige Erziehungswissenschaftlerin ist seit 2002 Professorin für das Lehrgebiet „Erziehungswissenschaftliche Aspekte Sozialer Arbeit“ an der Hochschule Landshut. Neben ihrer umfangreichen Lehr- und Forschungstätigkeit war sie bis 2013 Vorsitzende des Fachbeirats beim Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung zu Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), dem sie bis heute angehört. Darüber hinaus war sie Mitglied des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“ der Bundesregierung (RTKM). Als weiteren konkreten Schritt der Aufarbeitung Heimerziehung will die Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal eine Ombudsstelle für ehemalige Heimkinder schaffen.

 

„Ihr Werdegang zeigt: Frau Professor Wolff genießt uneingeschränktes Ansehen in der Fachwelt und weit darüber hinaus“, so Klaus Andersen, Vorsitzender der Kommission Aufarbeitung der Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal. „Sie ist uns von verschiedenen Seiten empfohlen worden und wir sind sehr froh darüber, dass wir den anstehenden Prozess mit Hilfe von externem Sachverstand starten können.“ Andersen weiter: „Wir nehmen die Vorwürfe und das Leid, über das die Betroffenen in den letzten Monaten zu berichten begannen, sehr ernst und haben deswegen intensiv nach einer ausgewiesenen Experten-Person gesucht, die den Prozess der Aufarbeitung angemessen in Angriff nehmen kann. Die Suche hat länger gedauert, als wir selbst uns das gewünscht hätten. Das Ergebnis ist für alle Beteiligten eine sehr gute Ausgangsbasis für eine erfolgversprechende Aufarbeitung.“

 

Durchgehendes Beteiligungskonzept
Mechthild Wolff machte bei den ersten Gesprächen mit der Diakonie deutlich, dass sie einen durchgehend partizipativen Ansatz verfolgt. Diesem Ansatz folgt die Diakonie uneingeschränkt. „Jetzt geht es darum, ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten, an dem von vornherein ehemalige Heimkinder beteiligt sind“, betonte sie. Sie wies darauf hin, dass es zunächst wichtig sei zu verstehen, welcher Machtmissbrauch in welcher Weise stattfinden konnte. „Daraus können wir Lehren für eine nachhaltige Weiterentwicklung präventiver Konzepte in der Gegenwart ableiten“, so Wolff.

Ombudsstelle für ehemalige Heimkinder und Mitarbeiter
Mit einer Ombudsstelle für ehemalige Heimkinder und Mitarbeiter der Korntaler und Wilhelmsdorfer Kinderheime geht die Diakonie Korntal einen weiteren Schritt der Aufarbeitung. Ihr Ziel ist es, ehemaligen Heimkindern die Möglichkeit zu geben, ihre Erfahrungen zu erzählen und sie damit in den Aufarbeitungsprozess einfließen lassen zu können. „Für diejenigen unter den Heimkindern, die nicht direkt auf uns zugehen wollen, möchten wir eine Vertrauensperson benennen“, erklärte Klaus Andersen. „Noch vor der Eröffnung dieser Stelle wollen wir über deren Konzeption wiederum erst mit ehemaligen Heimkindern ins Gespräch kommen.“ Die Ombudsstelle, die von einer unabhängigen fachkundigen Person geleitet wird, ist auch für ehemalige Heimkinder und Mitarbeiter gedacht, die nach 1975 in den Heimen der Brüdergemeinde gelebt bzw. dort gearbeitet haben. Nach den Vorstellungen der Diakonie soll sie die Anliegen der Betroffenen aufnehmen und mit ihnen klären und beraten, ob und ggf. welche rechtlichen Schritte zu unternehmen sind, und gemeinsam therapeutische Möglichkeiten finden. Alle bekanntgewordenen Fälle sollen in angemessener Form dokumentiert werden.

 

„Wir wollen erfahren, was genau geschehen ist“
Klaus Andersen: „Wir sind erschüttert über die Fälle von Gewalt und Missbrauch in unseren Einrichtungen, von denen wir in den letzten Monaten Stück für Stück erfahren haben. Auch wenn diese Übergriffe vor Jahrzehnten erfolgt sind und teilweise schon verjährt sein könnten, wollen wir erfahren, was genau geschehen ist, wie es geschehen konnte und was wir für Konsequenzen ziehen müssen, um Ähnliches für die Zukunft unmöglich zu machen. Noch stehen wir am Anfang der Aufarbeitung und können deswegen das Ausmaß dessen, was geschehen ist, nur erahnen. Das Geschehene tut uns sehr leid. Wir bieten allen Betroffenen an, sich mit ihren Erfahrungen und ihren Kenntnissen an dem Prozess der Aufarbeitung zu beteiligen."

 

Im Januar wird das Konzept des Gesamtprojektes „Aufarbeitung und Prävention“ mit seinen Teilprojekten und den dazu gehörigen Gremien vorgestellt werden.

 

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