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Jugendhilfe Wilhelmsdorf
 

15.01.2015 14:48

Ehemalige Heimkinder und die Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal einigen sich auf den Aufarbeitungsprozess mit Mechthild Wolff

Konzeptionelle Eckpunkte wurden nach dem ersten Sondierungsgespräch vorgestellt


Vlnr: Klaus Andersen, Mechthild Wolff und Detlef Zander während der Pressekonferenz am Ende der ersten Sondierungsrunde (Foto: Chris Riekert).

K o r n t a l / 15. Januar 2015 – Vertreter ehemaliger Heimkinder der Kinderheime Korntal und der Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal haben sich auf die Aufarbeitung der Korntaler Heimerziehung mit Mechthild Wolff verständigt. Das ist ein Ergebnis des ersten Sondierungstreffens zwischen Wolff, der Interessengemeinschaft Heimopfer sowie des Weltlichen Vorstehers der Evangelischen Brüdergemeinde, Klaus Andersen, das am 13. Januar in Korntal stattfand. Durch diese gemeinsame Beauftragung der Landshuter Erziehungswissenschaftlerin soll die Unabhängigkeit der Aufarbeitung betont werden. Die Gesprächspartner werteten das erste Treffen als ermutigendes Zeichen für eine gelingende Aufklärung der Vorwürfe gegen die Kinderheime, auch wenn noch viele konzeptionelle Details der Aufarbeitung geklärt werden müssten.

 

So sagte Detlef Zander, ein Sprecher der Heimkinder im Anschluss an das Treffen: „Wir sind froh über dieses Treffen. Die Aufarbeitung kann ab heute beginnen.“ Mechthild Wolff: „Auch wenn wir sehr viele Baustellen nebeneinander haben werden: Ich habe persönlich ein gutes Gefühl dabei.“ Und auch Klaus Andersen zeigte sich erleichtert über das Ergebnis: „Die gemeinsame Beauftragung von Frau Wolff ist ein bedeutender Schritt, ein Gesamtbild der Heimerziehung früherer Jahre zu bekommen.“

 

Erste Eckpunkte, die im Anschluss an die erste Sondierung mitgeteilt wurden, sehen so aus:

 

Es wird eine Steuerungsgruppe unter Leitung von Mechthild Wolff geben. Diese soll das Gesamtprojekt Aufarbeitung koordinieren. Zusammengesetzt wird sie paritätisch aus ehemaligen Heimkindern und Vertretern der Brüdergemeinde.

 

Ein Fonds, aus dem die Kosten der Aufarbeitung bestritten werden sollen, soll dafür sorgen, dass neben der historisch-wissenschaftlichen auch die finanzielle Unabhängigkeit des Gesamtprojekts Aufarbeitung gewährleistet wird. Wer in diesen Fonds neben der Diakonie Korntal einzahlen wird, ist noch unklar.

 

In den Aufarbeitungsprozess einbezogen werden sollen neben den Heimkindern auch Akteurinnen und Akteure der damaligen Heimerziehung wie ehemalige Leiterinnen und Leiter und Erzieherinnen und Erzieher in den Kinderheimen genauso wie diejenigen Institutionen, die die Heime beaufsichtigt bzw. diese finanziert haben.

 

Die Frage, wie Unrecht an Heimkindern wiedergutgemacht werden kann, beschäftigte die Sondierungsgruppe ebenfalls. Es soll nach Möglichkeiten gesucht werden, wie es gelingen kann, dass sich die heute Verantwortlichen der Diakonie Korntal bei Opfern der Heimerziehung individuell entschuldigen können und ob es finanzielle Regelungen geben wird. Zu diesem Komplex soll auch eine Erinnerungskultur gehören, die für eine Sichtbarmachung bzw. Symbolisierung des Unrechts z. B. durch dessen künstlerische Interpretation sorgt.

 

Ein wichtiger Bestandteil der Aufarbeitung werden auch die Fragen sein, wie in der heutigen Heimerziehung wirkungsvolle Präventions- und Handlungskonzepte aussehen können.

 

Ein zweites Sondierungsgespräch, bei dem weitere Details festgelegt werden sollen, wird in den kommenden Wochen folgen. Mechthild Wolff: „Es geht jetzt darum, die Ideen des ersten Gesprächs konzeptionell in konkrete Schritte herunter zu brechen.“ Beim darauf folgenden Treffen der „Heimopfer Korntal“ im März sollen diejenigen Vertreter ehemaliger Heimkinder legitimiert werden, die der Sondierungsgruppe angehören werden.

 

Mechthild Wolff: „Wir wollen eine hohe Beteiligung der Betroffenen sicherstellen, um ihnen gerecht werden zu können. Das Einvernehmen der Beteiligten ist eine wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Prozess.“ Auf die Dauer der Aufarbeitung mochten sich die Gesprächspartner indes nicht festlegen. Mechthild Wolff: „Wichtiger ist jetzt, dass wir den Prozess versachlichen und entschleunigen, damit die Aufarbeitung gelingen kann und sich die Beteiligten darin wiederfinden können.“ Mitglieder der Gruppe „Heimopfer Korntal“ mahnten allerdings an, dass die Aufarbeitung möglichst rasch in Angriff genommen werden müsse.